Nächtliche Kaltluft und Stadtentwicklung

12.02.2026

Fachliche Einordnung zur Bürgerinitiative „Rettet den Wienerwald“ im Parlament

Der Biosphärenpark Wienerwald spielt eine zentrale Rolle für das Wiener Stadtklima, für die Naherholung und für die Lebensqualität vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund hat die Bürgerinitiative „Rettet den Wienerwald!“ wichtige Anliegen zur fortschreitenden Bodenversiegelung, zur Bebauung am Stadtrand und zu den Auswirkungen auf Kaltluftströme im Parlament eingebracht. Weatherpark wurde im Zuge dessen dazu eingeladen, diese Fragen aus stadtklimatologischer Sicht einzuordnen.

Was nächtliche Kaltluft leisten kann und wo ihre Wirkung liegt

Nächtliche Kaltluft entsteht bei wolkenarmen, windschwachen Wetterlagen vor allem auf unversiegelten Flächen wie Wiesen, Feldern, Parks und in geringerem Ausmaß auch in Wäldern. Entlang topographischer Gefälle kann diese Kaltluft in der Nacht in Siedlungsgebiete abfließen und dort zu niedrigeren nächtlichen Temperaturen beitragen. Gerade während Hitzeperioden ist dieser Effekt für die Erholung der Bevölkerung von großer Bedeutung.

Die Stadtklimatologie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen Phänomenen. Für Wien liegen mit der Stadtklimaanalyse Wien fundierte Grundlagen vor, in denen Kaltluftentstehungsgebiete, Kaltluftleitbahnen und Wirkungsräume systematisch erfasst wurden. Daraus wird ersichtlich, dass nicht das gesamte Stadtgebiet gleichermaßen von nächtlicher Kaltluft profitiert, sondern klar abgegrenzte Bereiche – etwa entlang des Wientals oder in Teilen von Dornbach.

Stadtklima als integraler Bestandteil von Planungsprozessen

Die frühzeitige Berücksichtigung stadtklimatischer Faktoren, insbesondere von Kaltluftsystemen, ist bei Widmungs- und Bauvorhaben entscheidend. Projekte in kaltluftrelevanten Bereichen sollten fachlich begleitet werden, etwa durch Messungen, Simulationen oder Vorher-Nachher-Vergleiche, um Auswirkungen auf Kaltlufthöhe, Fließgeschwindigkeit und Reichweite objektiv zu bewerten. Auf Basis dieser Analysen lassen sich negative Effekte etwa durch strömungsparallele Gebäudeausrichtung oder Höhenbegrenzungen minimieren. In Einzelfällen kann auch eine Einschränkung von Bebauung oder Versiegelung zielführend  sein. Angesichts zunehmender Hitzewellen ist zudem die Schaffung klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen nötig, damit Planer:innen wissen, wann und wie stadtklimatologische Untersuchungen einzubeziehen sind und wer zur Erstellung entsprechender Gutachten befugt ist.

Fazit

Der Erhalt und die gezielte Stärkung klimatisch wirksamer Freiräume, innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen, sind somit ein wesentlicher Baustein einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Die fachliche Auseinandersetzung mit nächtlicher Kaltluft zeigt: Die notwendigen Instrumente und das Wissen sind vorhanden. Entscheidend ist, sie konsequent, differenziert und frühzeitig in Planungs- und Genehmigungsprozesse zu integrieren. Auch und gerade in Wien und im Wienerwald.

(c) MA18, Stadt Wien, 2020 erstellt von Weatherpark GmbH und INKEK GmbH

Hier geht’s zur Bürgerinitiative und hier zur Stellungnahme auf der Homepage des Parlaments.