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Humankomfort – Luxus oder Notwendigkeit?

Editorial_Simon_Tschannett_Weatherpark

Simon Tschannett,
Meteorologe und Geschäftsführer Weatherpark

Editorial von Simon Tschannett zum neuen Info-Service:

2015 ist wieder viel passiert. Unter anderem wird uns in Mitteleuropa der Rekord-Sommer in Erinnerung bleiben. Es wurden punktuell neue Höchsttemperaturen erreicht und die Durchschnittstemperatur des Sommers lag um 2,5 Grad über dem Mittel. Dieser Sommer hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass der Klimawandel nicht nur Theorie, sondern bereits in vollem Gang ist. Zu welchen Teilen er von wem beeinflusst wurde – von den Menschen oder als natürliche Entwicklung – wird viel diskutiert. In jedem Fall wird er seinen Lauf nehmen. Hinnehmen müssen wir die Entwicklung des Wetters aber nicht. Der wissenschaftliche Fortschritt ermöglicht uns ein angenehmes Leben, auch wenn die Temperaturen steigen. Und dafür brauchen wir – im Gegensatz zu früheren Perioden mit Klimaänderungen – nicht unseren Wohnsitz zu wechseln.

Unseren Wohn-Stil hingegen sollten wir schon ändern. Gerade in den Städten, wo sich hohe Temperaturen aufgrund der bebauten Dichte oft länger halten und auch in der Nacht die Abkühlung ausbleibt. Hier sind die Stadtregierungen, die Immobilienentwickler, Architekten und Bauherren gefordert. In den Städten entstehen immer mehr neue Gebäude. Viele davon sind Hochhäuser, da der knappe Boden gut genutzt werden muss, um die Nachfrage stillen zu können. Bei der Errichtung neuer Komplexe ist unbedingt darauf zu achten, dass die Frischluftschneisen einer Stadt frei gehalten werden. Nur so kann frische – und damit kühle! – Luft durch eine Stadt strömen. Dies senkt nicht nur die Temperatur, sondern erhöht auch die Luftqualität. Viele Städte haben bereits grobe Leitlinien oder Programme für die Erhaltung eines guten Stadtklimas. Wichtig ist, dass auch im Detail und bei jedem einzelnen Projekt die klimatischen Umfeldbedingungen geprüft und Standards eingehalten werden. Leider reichen dafür unverbindliche Empfehlungen der Städte nicht immer aus; der wirtschaftliche Druck ist hoch.

Oft können auch kleine Veränderungen und Maßnahmen dazu beitragen, dass sich die Gebäude, die Freiflächen rundherum und in Summe damit Stadtteile oder eine ganze Stadt weniger aufheizen. Wissenschaftler weltweit forschen nach den effizientesten Maßnahmen. Manche Ansätze sind einfach und eigentlich kennt sie jeder: zum Beispiel, dass helle Flächen nicht so viel Wärme speichern wie dunkle Gebäude und Böden. Andere sind diffiziler: Ist es sinnvoll, Gebäude zu begrünen und wenn ja, in welchem Ausmaß und wo genau? Was bewirken Bäume in einer Stadt? Lohnt es sich Wasserflächen anzulegen? Wie können flexible Beschattungssysteme am besten installiert werden? Und wie positioniert man Gebäude, damit sie nicht zusätzlichen Wind erzeugen, aber gleichzeitig eine angenehme Durchlüftung im Sommer gegeben ist? Manche Antworten scheinen nur auf den ersten Blick einfach, die Herausforderung liegt im Detail jedes einzelnen Standortes und jeder einzelnen Stadt.

Wir von Weatherpark haben uns zum Ziel gesetzt, mit unseren spezialisierten Simulationen und Beratungen das Leben der Menschen in der Stadt zu verbessern. Gemeinsam mit Stadtplanern und weiteren Experten können wir diese Fragestellungen beantworten und damit das Beste aus jedem Standort „herausholen“. Denn der Humankomfort in den Städten soll erhalten und optimiert werden – daran werden wir auch 2016 weiter arbeiten. Hohe Lebensqualität soll kein Luxus sein!